7. Schlussbemerkungen

03.07.2018

Vieles ist in Andeutung geblieben.

  • Der geologische Hintergrund habe ich nur gestreift. Ich bin sicher, dass der heutige geologisch-wissenschaftliche Research vertiefte Einsichten über die Entstehung dieses Gebietes besitzt.

Ich las über einen Super-Vulkan, der vor 68 Mio Jahren in Süd-Westen Indiens ausgebrochen ist und riesige Landstriche (bis weit in Malwa) mit Fliess-Lava überflutete, ja es gibt die Theorie, dass dieser Vulkan der Grund für das Aussterben der Dinosaurier weltweit gewesen ist. Um den Hügeln in Sanchi und über die Ebene ist der Fliess-Lava im Untergrund nachgewiesen. Auch wird beschrieben, dass gerade dieser Lava einen äusserst fruchbaren Boden bereitet hat. Lava kann in seinen Bestandteilen so unterschiedlich sein, er kann auch - wie auf Lanzarote - jedes Wachstum verhindern.

Beim Besuch der Sanchi-Hügel und der Stätte Satdhara fanden wir am Boden liegende basaltähnliche, längliche Gesteine. Ob es erdgeschichtlich auch zur Bildung von Basaltsäulen kam, kann ich nicht beantworten.


  • Über die prähistorische Vorzeit Sanchis ist wenig veröffentlicht. Ich befürchte, dass wertvolle Spuren der Frühzeit verschwunden sind, weil der Hügel durch Buddhistische Bauten überlagert wurde und das Gestein für die Bauten überall entnommen wurde.
  • Zwei Flüsse dieser Region habe ich noch nicht erwähnt. Es sind die Betwa (Umgebung von Sanchi) und die Bes (Umgebung von Satdhara), die in nördlicher Richtung fliessen und sich in Vidisha vereinigen. Sie sind geographisch und geschichtlich für diese Stätten von besonderer Bedeutung.
  • Die Akademie von Ujjain (die Hauptstadt von Malwa) habe ich nicht weiter bearbeitet. Zu welchen geisteswissenschaftlichen Einsichten diese Akademie gekommen ist, bleibt vorerst unbeantwortet.
  • Von den Reliefdarstellungen der Tore besprach ich nur zwei Themen: die sieben Manushi Buddhas und die Darstellungen der Gaya-Lakshmi.

Zwei Elemente erschweren die Weiterarbeit:

  • 1. Die unübersehbare Fülle alter Texte, die potentiell der Hintergrund von Relief- Darstellungen sein können. Diese Texte betreffen nicht nur die Legende der Buddhawerdung, die ganze Sammlung Jatakas (Legenden) beinhaltet Schilderungen früherer Inkarnationen Buddhas (vorhergehende Erdenleben) auf Grund deren die Erlangung der Buddha-Erleuchtung möglich wurde. Hier sind auch früherer Daseinsformen Buddhas in Tiergestalten geschildert (Affe, Elefant mit sechs Stosszähnen). Einige solcher Motive finden wir auf die Tore wieder.
  • 2. Andererseits haben seit dem 19. Jahrhundert viele Wissenschaftler die  Bilder zu deuten versucht. Anfänglich gab es viele Versuche mit spekulativem Charakter. Diese wurden oft zu starren Behauptungen, als seien die Bilder dem Leben Buddhas entnommen. Geburt und Tod wurden als bedeutende Eckpunkte des Lebens angeschaut und so kam die Verwechslung der Lakshmi mit Maya (die Mutter von Buddha) zustande, die mit so viel Überzeugungskraft vorgetragen wurde, dass bis heute der Orientierungstafel beim Nord-Tor diese Interpretation noch immer wiedergibt.

Neuere Schriften lassen aber vermuten, dass die früheren Interpretationen längst keine Gültigkeit mehr haben. Die alten Deutungsversuche werden leider immer wieder abgeschrieben und veröffentlicht. Sie überfluten das Internet mit vielen wissenschaftlich unhaltbaren Schilderungen.

Meine Kontaktnahmen zu dem Archaeological Survey in Bhopal und dem International Journal of Research, Granthaalayah, in Indore führten leider zu keinem fruchtbaren Austausch.

Dennoch kann ich zwei Veröffentlichungen nennen, die ganz im Sinne meiner «Lakshmi-Auffassung» geschrieben sind: «Women as Goddess in Indian Art» by Dr. Anjali Pandey und «Sanchi» by Prof. Madhukar Keshav Dhavalikar.

Ich bleibe bei meiner Annahme, dass dem Gesamtwerk von Sanchi einem übergeordneten Konzept zugrundeliegt. Die Anordnung sämtlicher Bilder muss untersucht werden.

Ob ich diese Arbeit weiterführe, wird davon abhängen, ob produktive Kontakte zu diesen Themen gefunden werden.

Dürnten, 22.06.2018

Hans van der Heide